Chinesische Mauer
Wie immer zu solchen Ereignissen wurde in den einschlägigen magischen Fachzeitschriften hautnah von den letzten FISM-Meisterschaften berichtet. Für alle Nichtzauberer, die sich ja auch gelegentlich auf unseren Seiten tummeln, sei erklärt: Die FISM ist Veranstalter für diesen international bedeutendsten Wettbewerb der Magie - die Weltmeister werden ermittelt -, und er fand 2009 vom 26. bis 31. Juli in Beijing / China statt.
Vom Wolfsburger Zirkel waren u.a. Klaus Edelhoff und Thorsten Müller als Besucher dabei. Sie berichteten nicht nur von den Preisträgern und Platzierten, sondern auch von einer Begebenheit am Rande einer Zaubergala. Eine amüsante Episode von einem unvollendeten Kartentrick; ich hoffe auch für Sie eine Geschichte zum Schmunzeln.
The show must go on
Mac King mit weiblichem Fan
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Mac King. Er ist ein amerikanischer Zauberkünstler, Star eines Familienprogramms in Las Vegas, Comedian. Wenn er auf die Bühne kommt, trägt er einen Anzug mit Schottenmuster und seine Haare sehen aus, als müssten sie mal wieder gekämmt werden.
In dieser bewussten Zaubergala war er der Conférencier. Bei einer Zaubershow ist es die Aufgabe des Moderators, möglichst unterhaltsam die Pausen zwischen den Auftritten seiner Kollegen zu füllen. Meistens tut er dies vor dem (geschlossenen) Vorhang, während hinter dem Vorhang der Umbau zur nächsten Nummer passiert.
Mac King nahm also bei so einer Überbrückung eine Karte aus einem Kartenspiel und steckte sie, kartenrücks zum Publikum, hinter sein Jackettrevers. Er kündigte eine Vorhersage an, zeigte dem Publikum dann ein Segelfliegermodell vor. Er würde jetzt den Flieger in den Saal werfen und der Zuschauer, den er treffe, der solle eine Spielkarte nennen. Eine, die dem Zuschauer gerade einfiele. Spontan eben.
Mac Kings Behauptung: Des Zuschauers Kartenwert werde mit "seiner Vorhersage-Karte" hundertprozentig übereinstimmen.
In einem Bridge-Kartenspiel sind 52 verschiedene Karten, d.h. die Chance für eine Übereinstimmung ist 1:52. Ein Austausch schien unmöglich, zumal die Rückseite der Vorhersagekarte stets zur Hälfte unter dem Revers hervorschaute.
Viele Zuschauer waren gespannt. Wie soll das wohl klappen?
Angesichts der sehr schlanken Spitze am Bug des Fliegers machte Mac King noch ein paar Witzchen: Er wolle ja niemanden verletzen, es würde durchaus genügen, wenn jemand den Flieger auffängt und dann die Karte nennt.
Starker Anfang. Aber leider bekam er von hinter dem Vorhang einen Stups, dies bedeutet: Der Umbau ist fertig, sag den nächsten Künstler an. Pech gehabt. Mac King kam nicht mehr dazu, den Segelflieger zu starten.
Am Ende der Gala hatten die Zuschauer dieses Intermezzo natürlich längst vergessen. Doch Thorsten Müller ließ die Sache nicht auf sich beruhen und er hakte beim Künstler nach: Wie wäre der Kartentrick ausgegangen? Der Zuschauer hätte doch schließlich jede beliebige Karte nennen können.
Und das war die Lösung des Schlitzohrs Mac King:
Er hatte einen Bumerang-Flieger verwendet. Dieser hätte über dem Publikum einen Bogen geflogen und wäre zu ihm zurück gekommen. Und er - Mac King - hätte dann schon die richtige Karte benannt.
Herzlichen Dank, Klaus und Thorsten, für diesen Beitrag!