Philip Simon
Am 13. und 14. April 2011: Abschiedstournee
Über den Witz im Vorurteil
FALLERSLEBEN. Ganz schön quatschig, dieser Philip Simon. Genau das hat dem Publikum im Unikum so gut gefallen. Die Lachsalven kamen anfallartig und auch der holländische Entertainer konnte manchmal kaum noch an sich halten. Philip Simon auf Abschiedstournee, so heißt sein Programm, was mit Abschied aber so gar nichts zu tun hat und allenfalls als Spaßvorlage dient.
Simon, mit forschem Schritt auf die Bühne geeilt, witzelt mit den Vorurteilen: Die Holländer mit den Wohnwagen, die Holländer, die das ganze Wochenende kiffen und dann stundenlang Radio in Farbe sehen, die Schweizer, die in Wirklichkeit die Oberkiffer sind. Wie sonst käme man auf die Idee, die Tablerone zu erfinden - eine Schokolade, an der man sich die Vorderzähne ausbeißt?
"Wer von Ihnen ist Single und der Partner weiß es noch nicht?" Spontane Späßchen mit dem Publikum, das Eis ist gebrochen, alle machen mit. Dann greift Simon in die Reisekiste und zieht ein paar dieser absurden Zumutungen vor, gegen die man nur noch anlachen kann. Schon mal im IC auf dem Mini-Klo gewesen? Oder noch schlimmer: Auf einem Stehklo in einer französischen Autobahnraststätte, auf dieser Duschinsel mit zwei Fußstapfen? Philip Simon geht in die Hocke, lässt verbal die Hose runter, probiert's, variert den Winkel und lässt es am Ende sein. Der Strahl ginge sowieso nur voll daneben. Da wo pantomimische Einlagen den Wortwitz noch steigern, läuft Simon zur Hochform auf. Aber der Holländer kann sogar zaubern. Dentalmagie - dafür holt er sich Vitali auf die Bühne. Der darf eine Karte ziehen und sie beschriften. Am Ende wird sie der Meister - wir bleiben im Dunstkreis von Übelkeit, Erbrechen, Darmdrücken und Ausscheidungen - dreimal gefaltet aus seinem Schlund herauswürgen. Ganz schön doll drücken musste er. Als Souvenir wollte die nasse Karte niemand haben. Am Ende sei sie aber immer weg, versicherte Simon.
Dieser Bericht ist den Wolfsburger Nachrichten entnommen (Autorin Anette Siemer).
Nach der Vorstellung plauderte Philip Simon noch mit Gästen und dem UNIKUM-Team in der Künstlerklause. In Holland geboren, lebt er nun schon seit 25 Jahren in Deutschland. Beim Gespräch mit ihm lernte ich einen ernsthaften Menschen kennen - wie ich es nach seiner fulminanten, das Zwerchfell erschütternden, Vorstellung so nicht erwartet hätte. Der 34-jährige "Berliner" hat Geschichte, Germanistik und Philosophie studiert und macht sich viel Gedanken über das was in der Welt geschieht. Es ist ihm ein Anliegen.
Sein Soloprogramm ABSCHIEDSTOURNEE spielte er tatsächlich zum letzten Mal. Sein neues Programm - ENDE DER SCHONZEIT - ist viel politischer. Philip Simon hat vermehrt Passagen eingebaut, die neben allem Humor das Publikum zum Nachdenken anregen sollen.
Dass er in Wolfsburg viel Comedy und nur wenig Zauberei zeigte, störte niemanden. Er holte selbst die größten Magic-Fans schnell auf seine Seite. Fazit: Es waren zwei tolle Abende!
J. Hoyer (Redaktion)
Impressionen
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